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Raidho – Die Rune, die mich verstehen liess, warum sich meine Träume erst jetzt erfüllen

Autorenbild: Eleonora Hammer
Eleonora Hammer
12. Juli
5 Min. Lesezeit

Manchmal frage ich mich, ob das Leben uns schon viel früher kennt, als wir uns selbst kennenlernen.

Ob es schon längst weiss, wohin unsere Reise führt, während wir noch verzweifelt versuchen zu verstehen, warum wir gerade dort stehen, wo wir stehen.


Vor ein paar Tagen durfte ich in einer Trancereise der Rune Raidho begegnen.

Raidho ist die Rune der Reise. Sie steht für den Weg, für Bewegung, für den Rhythmus des Lebens und dafür, der eigenen inneren Wahrheit zu folgen. Während ich immer tiefer in diese Reise eintauchte, hatte ich das Gefühl, dass Raidho mich nicht in eine fremde Welt führte. Sie führte mich zurück.

Zurück zu einer Frau, die ich fast vergessen hatte.



Ich sah mich wieder im Führerstand meines Zuges sitzen.

Den Blick auf die Schienen gerichtet.

Nach aussen schien alles geordnet. Der Zug fuhr pünktlich, jede Weiche hatte ihren Platz, jede Strecke ein klares Ziel. Doch in mir fühlte sich nichts geordnet an.


Es war eine Zeit, in der ich jeden Tag funktionieren musste, obwohl ich innerlich immer leiser wurde.

Ich wurde gemobbt. Mir wurde vermittelt, ich sei unfähig. Über mich wurden Gerüchte erzählt, die nicht der Wahrheit entsprachen. Worte wurden benutzt wie Waffen, nicht, um mich zu korrigieren, sondern um mich klein zu machen.


Damals habe ich oft versucht, stark zu sein.

Doch wenn ich heute ehrlich bin, muss ich zugeben, dass mich diese Zeit verändert hat.

Nicht nur, weil sie wehgetan hat, sondern weil ich irgendwann begann, mich selbst mit den Augen der Menschen zu betrachten, die meinen Wert nie erkannt haben.

Kennst du dieses Gefühl?


Wenn du so oft hörst, dass du nicht genügst, bis du anfängst, es selbst zu glauben?

Wenn du morgens aufstehst und dich fragst, ob wirklich etwas mit dir nicht stimmt.

Ich kenne dieses Gefühl und genau deshalb schreibe ich heute diese Zeilen.

Was damals niemand wusste, war das, was sich hinter der verschlossenen Tür des Führerstands abspielte.


Während der Zug Kilometer für Kilometer über die Schienen fuhr, begann mein Herz, in eine völlig andere Richtung zu reisen. Ich schloss manchmal für einen kurzen Moment die Augen, wenn der Zug stand, atmete tief durch und stellte mir mein Leben vor.

Nicht das Leben, das ich hatte. Das Leben, nach dem sich meine Seele sehnte.

Ich sah mich mit Menschen arbeiten.

Ich sah Kreise voller Vertrauen.

Ich sah Zeremonien, in denen Menschen ihre Tränen nicht mehr verstecken mussten.

Ich hörte Lachen.

Ich spürte Dankbarkeit.

Ich stellte mir vor, wie ich Räume halten durfte, in denen Menschen sich wieder an sich selbst erinnerten. Damals hätte ich niemandem davon erzählt.

Nicht, weil ich mich geschämt hätte, sondern weil dieser Traum so zart war, dass ich Angst hatte, jemand könnte ihn mit einem einzigen Satz zerstören.


Also bewahrte ich ihn in meinem Herzen.

Und ich schrieb. Fast jeden Abend.

Ich schrieb nicht nur Ziele auf. Ich schrieb Gefühle auf.

Ich beschrieb bis ins kleinste Detail, wie sich mein Leben anfühlen sollte.

Wie ich morgens aufwache. Wie Freiheit riecht. Wie Dankbarkeit klingt.

Wie es sich anfühlt, wenn Menschen nach einer Zeremonie mit Tränen in den Augen vor mir stehen und sagen: "Danke. Ich habe heute wieder ein Stück von mir selbst gefunden."


Damals wusste ich nicht, wie das alles möglich werden sollte.

Ich wusste nur, dass ich mich beim Schreiben jedes Mal ein kleines Stück lebendiger fühlte.

Heute glaube ich, dass genau dort meine Reise begonnen hat.

Nicht auf einem Seminar und auch nicht mit meiner Selbstständigkeit.

Sondern in einem Führerstand, zwischen Schienen, Fahrplänen und der stillen Entscheidung, meinen Träumen mehr Glauben zu schenken als den Stimmen, die mich kleinhalten wollten.


Vor allem aber habe ich damals etwas Entscheidendes verstanden. Auch wenn ich es erst Jahre später in Worte fassen konnte. Die meisten von uns wissen ganz genau, was sie nicht mehr wollen.

Wir wollen den Schmerz nicht mehr. Die Angst nicht mehr. Den Mangel nicht mehr.

Den Job nicht mehr. Die Beziehung nicht mehr.

Wir erzählen dem Leben jeden Tag, wovon wir weg möchten.

Aber wie oft erzählen wir ihm, wohin wir eigentlich wollen?


Diese Erkenntnis traf mich mit voller Wucht, als ich eines Tages wieder im Führerstand sass.

Ich musste lächeln. Denn plötzlich wurde mir bewusst, dass ein Zug niemals losfahren könnte, wenn der Fahrdienstleiter nur wüsste, an welchen Bahnhof er nicht fahren soll.

Stell dir das einmal vor.


Ein Lokführer meldet sich zum Dienst.

Der Fahrdienstleiter fragt:

"Wohin geht deine Reise heute?"

Und der Lokführer antwortet:

"Nicht nach Zürich."

"Nicht nach Basel."

"Nicht nach Bern."


Der Fahrdienstleiter würde ihn vermutlich fragend ansehen und sagen:

"Ich verstehe, wohin du nicht möchtest. Aber ohne Ziel kann ich keine Strecke einstellen."

Ist das nicht genau das, was wir mit unserem Leben tun?


Wir richten unseren Blick so oft auf das, was wir vermeiden möchten, dass wir vergessen, unserem Herzen überhaupt eine Richtung zu geben. Mir wurde klar, dass ich mein ganzes Leben damit verbracht hatte, von etwas wegzulaufen.

Erst als ich begann, bewusst auf etwas zuzugehen, veränderte sich meine innere Welt.

Und mit ihr langsam auch die äussere.

Natürlich war es nicht so, dass ich eines Morgens aufwachte und plötzlich alles da war.

Ich musste Entscheidungen treffen. Ich musste Ängste anschauen.

Ich musste Türen öffnen, hinter denen ich das Ziel noch nicht erkennen konnte.

Manche dieser Türen machten mir Angst. Manche wirkten völlig unbedeutend.


Doch heute weiss ich, dass jede einzelne notwendig war.

Denn keine dieser Türen war mein Ziel. Sie waren alle Teil des Weges.

Genau das zeigte mir auch Raidho.

Während der Trancereise wurde mir bewusst, dass diese Rune nicht einfach nur für Bewegung steht.

Sie erinnert uns daran, dass der Weg selbst uns verwandelt.

Dass wir oft glauben, auf unsere Träume zu warten, obwohl unsere Träume in Wahrheit darauf warten, dass wir innerlich zu den Menschen werden, die sie tragen können.


Als ich aus dieser Reise zurückkehrte und den Zoom beendete, liefen mir Tränen über das Gesicht.

Nicht, weil ich traurig war. Sondern weil ich zum ersten Mal mit ganzem Herzen begriffen hatte, dass nichts auf meinem Weg umsonst gewesen war.

Nicht die Verletzungen.

Nicht die Tränen.

Nicht die Einsamkeit.

Nicht einmal das Mobbing.

All das hat mich nicht definiert.

Aber es hat mich geformt!


Heute begleite ich Menschen in Zeremonien.

Ich darf Räume halten, in denen Menschen sich wieder begegnen.

Ich darf Gruppen begleiten, in denen gelacht, geweint, losgelassen und erinnert wird.

Immer häufiger erreichen mich Buchungsanfragen und Einladungen. Jedes Mal, wenn sich eine neue Tür öffnet, denke ich an die Frau im Führerstand zurück.

An die Frau, die glaubte, sie sei zu klein für ihre Träume.

Ich wünschte, ich könnte sie noch einmal besuchen.

Ich würde ihre Hand nehmen und ihr zuflüstern:

"Vertrau dem Weg."

"Auch wenn du ihn noch nicht verstehst."

"Die Schienen, auf denen du heute fährst, bringen dich nicht nur von Bahnhof zu Bahnhof. Sie bringen dich zu dir selbst."


Und vielleicht ist das genau die Botschaft, die ich dir heute mitgeben möchte.

Wenn du gerade an einem Punkt bist, an dem du dich klein fühlst, unterschätzt oder orientierungslos, dann frage dich heute Abend nicht nur, was du nicht mehr willst.

Frage dich, wohin deine Seele reisen möchte.

Nimm dir Papier und einen Stift. Schreibe nicht auf, was verschwinden soll.

Schreibe auf, was entstehen darf.

Schreibe so, als würdest du deinem Leben zum ersten Mal eine klare Richtung geben.

Und dann vertraue. Nicht darauf, dass morgen alles anders ist.

Sondern darauf, dass jeder ehrliche Schritt in Richtung deines Herzens eine neue Weiche stellt.


Denn genau das hat Raidho mir gezeigt.

Der Weg beginnt nicht dort, wo sich alles verändert.

Der Weg beginnt in dem Moment, in dem du aufhörst, nur vor etwas davonzulaufen, und den Mut findest, bewusst auf das Leben zuzugehen, das dein Herz schon lange kennt.

Und vielleicht wirst auch du eines Tages innehalten, zurückblicken und mit Tränen in den Augen erkennen, dass deine Träume dich nie verlassen haben.

Sie hatten nur ihren eigenen Zeitplan.

 
 
 

2 Kommentare

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Vilma
12. Juli
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Wow. 🤗 Eine Einladung, den eigenen Träumen zu folgen, auch wenn‘s sich manchmal nicht so anfühlt, als wäre man noch auf dem Weg dahin. Und zu erkennen, dass auch der Schmerz ein Puzzleteil sein kann und wenn er uns nur lehrt, was wir nicht wollen.

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Eleonora Hammer
Eleonora Hammer
12. Juli
Antwort an

Ja absolut 😊🫶

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