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Wenn das System dich zur Nummer macht: Warum dein Körper rebelliert und wie du den Weg zurück zu dir findest

Autorenbild: Eleonora Hammer
Eleonora Hammer
16. Aug.
5 Min. Lesezeit

Wir leben in einer Zeit, in der das Wort „Leistung“ zum höchsten Massstab unseres Menschseins erhoben wurde. Wir definieren uns über unsere Arbeit, über die To-Do-Listen, die wir abarbeiten, und über das unermüdliche Funktionieren in Systemen, die uns oft nur als eine Nummer sehen. Doch was passiert, wenn der Mensch hinter der Leistung anfängt, leise zu schreien? Was geschieht, wenn der Körper nicht mehr mitspielt, weil die Seele sich in den starren Strukturen nicht mehr beheimatet fühlt?



Der Tanz mit der Erwartung

Viele von uns kennen diesen Zustand. Da ist eine Arbeit, die wir eigentlich beherrschen, in der wir unsere Stärken einbringen und in der wir, im besten Fall, auch als Mensch gesehen und wertgeschätzt werden. Es gibt Arbeitgeber, die ihre Mitarbeitenden nicht nur nach ihrer Leistung beurteilen, sondern darauf achten, wie es ihnen geht, ihre Grenzen respektieren und verstehen, dass ein Mensch nicht jeden Tag gleich funktionieren kann. Dafür dürfen wir dankbar sein.


Doch leider ist das nicht überall so.

In vielen Unternehmen scheint Wertschätzung unmittelbar an Leistung gekoppelt zu sein. Solange wir zuverlässig funktionieren, Aufgaben übernehmen, Mehrarbeit leisten und die Erwartungen erfüllen, gelten wir als engagiert, belastbar und wertvoll. Doch was geschieht, wenn wir einmal nicht mehr können? Wenn unsere Kraft nachlässt, wenn wir Grenzen setzen oder eine zusätzliche Aufgabe nicht übernehmen können? Dann kann sich der Blick auf uns sehr schnell verändern. Nicht mehr der Mensch steht im Mittelpunkt, sondern das, was er leisten kann.


Genau hier beginnt der Tanz mit der Erwartung.

Denn wir leben in einer Gesellschaft, die immer stärker darauf ausgerichtet ist, mehr zu leisten, schneller zu werden und ständig verfügbar zu sein. „Noch ein bisschen mehr“, „Das schaffst du doch auch noch“, „Sei flexibel“, „Zeig Einsatz“. Leistung wird nicht nur erwartet, sie wird häufig zur Voraussetzung dafür, dass wir uns zugehörig und wertvoll fühlen.


Und irgendwann fordert das System eine andere Facette von uns. Eine Zusatzaufgabe, eine Erwartung, die uns in Bereiche drängt, die nicht zu unserem Wesen passen.

Der Körper reagiert. Zuerst ist es vielleicht nur ein Engegefühl in der Brust, dann ein flacher Atem, und schliesslich, wenn die eigenen Grenzen immer wieder ignoriert werden, kann daraus eine massive Panikattacke werden. Der Körper kann uns sehr deutlich zeigen, dass etwas nicht mehr stimmt. Er kann zum Weckruf werden, wenn wir uns selbst übergehen.


„Warum erlauben wir es einer Gesellschaft, uns zu definieren, wenn sie dabei übersieht, dass wir lebendige, fühlende Menschen sind? Keine Maschinen, die nach einem Algorithmus funktionieren?“


Das Schweigen der Tapferkeit und die Flucht in die Betäubung

Wir wurden darauf trainiert, tapfer zu sein. „Reiss dich zusammen“, „Das gehört halt dazu“, „Stell dich nicht so an“. Diese Sätze sind wie Ketten, die uns daran hindern, den Mund aufzumachen.

Wenn wir unsere Not ausdrücken, erfahren wir oft ein Schweigen. Wir werden nicht gehört, weil unsere Geschichte, unser Wohlbefinden, in einer leistungsorientierten Welt nicht immer den Stellenwert haben, den sie haben sollten.


Natürlich gibt es Arbeitgeber und Unternehmen, die anders handeln. Menschen, die ihre Mitarbeitenden wirklich sehen, ihnen zuhören und auch dann zu ihnen stehen, wenn es einmal schwierig wird. Doch ebenso gibt es Strukturen, in denen ein Mensch vor allem so lange als wertvoll gilt, wie er funktioniert und Leistung erbringt.


Das ist eine Realität, über die wir sprechen müssen.


Denn wenn der Druck unerträglich wird und die Seele keinen Ausweg mehr sieht, drohen tiefe Krisen: Man verfällt in einen permanenten Leistungswahn, der unweigerlich in die Erschöpfung oder in Depressionen führen kann. Manche Menschen suchen unbewusst Zuflucht in Süchten oder anderen Formen der Betäubung, nur um den Schmerz und die Leere eines Lebens auszuhalten, das sich immer weiter von den eigenen Bedürfnissen entfernt.


Ich kenne diesen Weg, es ist ein harter Kampf

Ich schreibe das nicht aus der sicheren Distanz einer Beobachterin. Ich weiss selbst, wie schwer es ist, in diesem Spagat zu stehen. Ich kenne die Tage, an denen man im Beruf Höchstleistungen vollbringt, vielleicht Anerkennung dafür bekommt und gleichzeitig innerlich merkt, wie die eigenen Grenzen überschritten werden.


Ich kenne aber auch die andere Seite: das Gefühl, dass Anerkennung an Leistung geknüpft sein kann. Dass man so lange als zuverlässig, engagiert und wertvoll wahrgenommen wird, wie man funktioniert. Und dass die eigene Menschlichkeit plötzlich weniger zählt, wenn man beginnt, Grenzen zu setzen.

Ich kenne das Gefühl, wenn der Körper mit Panik reagiert, während man versucht, Erwartungen zu erfüllen, die sich falsch anfühlen. Es ist ein täglicher, oft einsamer Kampf, sich in einem solchen System nicht zu verlieren und den eigenen Kern zu wahren.


Verletzlichkeit als Akt der Selbstliebe

Sich verletzlich zu zeigen, wenn man an seine Grenzen stösst, wird oft als Schwäche missverstanden. Dabei kann es genau das Gegenteil sein. Es ist ein Akt radikaler Selbstliebe und ein mutiger Schritt zu echter Selbstakzeptanz.


Zu sagen: „Das liegt mir nicht“, „Das tut mir nicht gut“, „Ich kann diese zusätzliche Aufgabe nicht übernehmen“ oder „Mein Körper sagt hier Nein“, bedeutet, den eigenen Wert nicht vollständig davon abhängig zu machen, was wir leisten.

Denn wir sind mehr als unsere Arbeitskraft.

Unser Wert endet nicht dort, wo unsere Leistungsfähigkeit eine Grenze erreicht.


Wege aus dem Labyrinth: Spiritualität und schamanische Heilung

Wie finden wir da wieder heraus, ohne uns im Schmerz zu verlieren? Wie können wir den Weg zurück zu uns selbst antreten? Es gibt Wege, die tief in die Heilung führen können, jenseits von reinem Funktionieren:

  • Der schamanische Heilungsweg: Schamanische Geistheilungen können einen tiefen, transformativen Raum eröffnen. Sie können dabei helfen, sich mit alten, einengenden Strukturen, fremden Erwartungen und persönlichen Blockaden auseinanderzusetzen und wieder eine tiefere Verbindung zu sich selbst zu finden.

  • Die Verbindung zur Natur als Spiegel: Wenn wir uns im Alltag verloren haben, kann der bewusste Gang in die Natur helfen. Die Erde bewertet nicht. Im Rhythmus der Wälder, Bäume und Jahreszeiten finden wir unseren eigenen natürlichen Takt wieder, der uns erden und den Lärm der Leistungsgesellschaft dämpfen kann.

  • Dem Körper zuhören und das Nein ehren: Wenn der Körper mit Enge, Unruhe oder Panik reagiert, sollten wir diese Signale ernst nehmen. Nicht als persönliches Versagen, sondern als Hinweis darauf, dass etwas unsere Aufmerksamkeit braucht. Das eigene Stopp-Signal wahrzunehmen und auszusprechen, kann ein wichtiger Schritt aus dem Kreislauf des permanenten Funktionierens sein.

  • Sich selbst treu bleiben: Heilung bedeutet nicht, perfekt zu sein, sondern jeden Tag ein Stück ehrlicher mit sich selbst zu werden. Sich von dem Zwang zu lösen, es allen recht machen zu müssen, und stattdessen den eigenen, oft leisen Weg zu gehen.


Mut zum Innehalten

Es ist Zeit, den Leistungswahn zu hinterfragen, der uns krank machen kann. Gleichzeitig dürfen wir anerkennen, dass es auch Unternehmen und Arbeitgeber gibt, die genau diesen Wandel bereits leben: Sie sehen nicht nur die Arbeitskraft, sondern den Menschen dahinter. Sie fragen nach, hören zu und wissen, dass gute Arbeit nicht dadurch entsteht, dass Menschen permanent über ihre Grenzen gehen.

Doch dort, wo das nicht der Fall ist, müssen wir umso mehr lernen, unsere eigenen Grenzen wahrzunehmen.


Wenn wir aufhören, es allen recht machen zu wollen, fangen wir an, uns selbst zu sehen. Wir beginnen, unsere Bedürfnisse anzuerkennen. Das ist kein einfacher Weg, und er verlangt Mut.

Erlaube dir, verletzlich zu sein. Erlaube dir, Grenzen zu ziehen und spirituelle sowie energetische Werkzeuge zu nutzen, die dich nähren. Denn du bist nicht dazu da, nur eine Funktion in einem System zu erfüllen.


Du bist ein Mensch.

Und dein Wert sollte nicht davon abhängen, wie viel du leistest, wie viele Aufgaben du übernimmst oder wie lange du funktionieren kannst.


Wenn der Körper rebelliert, ist es vielleicht an der Zeit, hinzuhören.

Nicht um dich aus der Welt zurückzuziehen.

Sondern um zu dir selbst zurückzukehren.


Und dieser Weg beginnt in dem Moment, in dem du aufhörst, dich nur über deine Leistung zu definieren, und beginnst, dein ganzes Menschsein wieder anzunehmen.

 
 
 

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